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♫ Fal­ling to the Sky ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor nichts Böses ahnend und werde plötz­lich von einer blitz­ar­ti­gen Vision über­fal­len: Gleich­zei­tig mit mir betre­ten Tau­sende, ja Zehn­tau­sende Men­schen irgendwo auf der Welt einen Kor­ri­dor, und aus irgend­ei­nem Grund spüre ich sie plötz­lich, fühle ihre Gefühle, denke ihre Gedan­ken, bin gleich­zei­tig alt und jung, trau­rig und glück­lich, ent­spannt und gestresst, Mann und Frau – es ist alles da, alles gleich­zei­tig, in unzäh­li­gen Kor­ri­do­ren.

Ein Indio­kind rennt, ein Spiel­zeug­flug­zeug in der Hand, mit lau­ten Brumm­ge­räu­schen in einen Haus­flur, ein Haus­meis­ter berei­tet sich vor dem Chef­zim­mer der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft auf sei­nen Raus­schmiss vor, ein Klemp­ner sucht das rich­tige Klin­gel­schild, die ange­for­derte Mas­seu­rin die rich­tige Zim­mer­num­mer im Motel. Im Kopf einer jun­gen chi­ne­si­schen Vio­li­nis­tin auf dem Weg zu ihrem Unter­richt jubi­liert eine Mozart­so­nate, und ein Angli­zis­tik­pro­fes­sor mit einem Hexen­schuss auf dem Weg zu sei­nem Hör­saal rezi­tiert in Gedan­ken ein Shake­spea­re­so­nett. Einen bud­dhis­ti­schen Pil­ger beschleicht in einem gold­ge­schmück­ten Tem­pel ehr­fürch­ti­ges Stau­nen, ein rus­si­scher Astro­naut schwebt – einen Schrau­ben­dre­her in der Hand – durch die Sta­tion, eine fast zu spät kom­mende Heb­amme auf Hawaii ver­nimmt die Schmer­zens­schreie einer Gebä­ren­den …

Kol­le­gen hel­fen mir auf. »Geht es Ihnen nicht gut?« – »Soll ich dir einen Kran­ken­wa­gen rufen?« – »Sie sind ja ganz weiß im Gesicht!« Ich schüttle abweh­rend den Kopf. Meine Knie sind immer noch ganz wack­lig, ich kann kaum auf den eige­nen Bei­nen ste­hen. »Du warst kurz ohn­mäch­tig. Was ist pas­siert?«

»Wir haben den Kor­ri­dor betre­ten«, murmle ich ton­los, ohne dass mich einer der Umste­hen­den hört. Obwohl das alles nur Sekun­den­bruch­teile lang ange­dau­ert hat, hat es sich mir unaus­lösch­lich ein­ge­prägt. Ich ver­ziehe mich in die Toi­let­ten auf dem Gang, wo ich mir solange kal­tes Was­ser ins Gesicht spritze, bis ich wie­der das Gefühl habe, ich selbst zu sein, und nur ich selbst.