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Das Titelbild zeigt mehrere bunte Regenschirme, die vor einem medizinischen Monitor mit Herzfrequenzanzeige und der Zahl 124 schweben. Ein digitaler Button unten links zeigt das Piktogramm einer Hand, die tröstend auf einer anderen Hand liegt.

♫ Mjúk við­koma ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor, den ich in den letz­ten Wochen schon so oft betre­ten habe. Hin­ter die­ser wei­ßen Tür dort liegst du, und eine Maschine hilft dir beim Atmen. Plötz­li­che Gehirn­blu­tun­gen haben dich bin­nen weni­ger Stun­den ins Koma fal­len las­sen, und die Ärzte mei­nen, in dei­nem Kopf sei zu viel zer­stört, als dass man hof­fen könnte, eines Tages wachst du wie­der auf und bist wie­der ganz die­selbe.

Ich halte deine Hand. Das Blub­bern und Zischen der Herz-Lun­gen-Maschine hat etwas Beru­hi­gen­des und Medi­ta­ti­ves – aber erst, seit­dem ich mei­nen Pro­test gegen all das hier, meine Wut, mein Unver­ständ­nis, meine Ver­zweif­lung und mein Hof­fen auf ein Wun­der end­lich los­ge­las­sen hatte.

Wenn wir allein sind, erzähle ich uns leise von unse­ren gemein­sa­men Erfah­run­gen, den Rei­sen, den Fil­men, die wir gese­hen haben, Fei­ern, Semi­na­ren und Tref­fen mit Freun­den – oder ein­fach nur von klei­nen skur­ri­len All­tags­er­leb­nis­sen, die mir in den Sinn kom­men. Manch­mal spiele ich auf dem klei­nen Cas­set­ten­re­cor­der auch deine Lieb­lings­mu­sik ab.

Men­schen lei­den und ster­ben auf der gan­zen Welt – stän­dig. Warum tut es mir so weh, dich hier lie­gen zu sehen, wäh­rend all die ande­ren mir gleich­gül­tig sind? Fast unhör­bar leise stelle ich dir die Frage, stelle mir vor, du könn­test zu mir spre­chen, und du sagst: Ich leide nicht – du lei­dest.

Und dann, einige Augen­bli­cke lang, ein paar Atem­züge der Herz-Lun­gen-Maschine lang, ist es, als wür­dest du meine Hand hal­ten und mir mit dei­nem stil­len Ein­fach-nur-Dasein Trost, Mut und Hoff­nung geben.

Heute schal­ten sie die Maschi­nen ab, und du wirst in ein Hos­piz ver­legt. Ich habe ein gemüt­li­ches klei­nes Zim­mer für dich aus­ge­sucht: Durch das Fens­ter sieht man Bäume, und man kann die Vögel sin­gen hören, obwohl es mit­ten in der Stadt liegt.

Es wird dir gefal­len.

Und wenn du nicht mehr magst, kannst du gehen. Ich halte zwar immer noch deine Hand, aber ich halte dich nicht mehr fest.