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♫ Parnassius mnemosyne ♫
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Ich betrete den Korridor, der zu meinem Gedächtnispalast führt. Natürlich existiert der lange Gang – genau wie der Palast selbst, zu dessen ausgedehnten Räumlichkeiten sich die bunten Türen des Eingangskorridors öffnen – nicht wirklich, nicht einmal auf Blaupausen, sondern ist eine reine Erfindung, eine Imagination von mir. Immer wieder durchwandere ich ihn in meiner Vorstellung, um meinem schwachen Erinnerungsvermögen auf die Sprünge zu helfen – und wenn ich mir etwas Neues merken will, lege ich es im passenden Zimmer ab oder baue einfach ein weiteres Kabinett an.
Im Palast kenne ich jede Einzelheit: die Räume, Wandnischen, Fensterbretter, die halbhohen Säulen, Tische, Sekretäre, die Kommoden, Regale und Setzkästen – all die Orte, an, in und auf denen ich gedanklich Dinge deponiere, die ich mir merken will. Oder muss.
Der Eingangskorridor jedoch ist leer. Hier gibt es keine Nischen oder Möbel – nur die Türen zu den einzelnen Flügeln des Palastes. Hinter der weißen lagern alle Telefonnummern, die ich im Kopf haben sollte. (Hier hätte ich auch die Zahl Pi mit beliebig vielen Nachkommastellen verstaut, wenn ich den Ehrgeiz besäße, sie auswendig zu wissen.) Es folgen Türen in allen Regenbogenfarben, beginnend mit Infrarot und mit Ultraviolett endend. Von physikalischen Erkenntnissen, Formeln und Fachbegriffen über biologische Fakten und Fachtermini und die Lebensdaten berühmter Forscher bis hin zu den Sternstunden der Menschheitsgeschichte findet sich hier so ziemlich alles, das mir irgendwann einmal wert schien, es mir zu merken – ob nun die Namen der Urkontinente (und auch die möglichen unserer Zukunft wie Pangäa Ultima und Amasia), die 398 Kraftausdrücke aus Joyce’ Finnegans Wake oder die 28 möglichen Merkmale eines Blattes (von spießförmig bis siebenzählig gefiedert).
Ganz hinten findet sich eine schwarze Tür. Sie führt in den Keller meines Palastes. Dort lagert … aber vielleicht sollte ich das lieber für mich behalten. Der Korridor jedenfalls, der Korridor mit dem vielen bunten Türen, durch den ich die vielen Flügel des Palastes betrete, hat mich dazu inspiriert, ein paar kleine Texte zu schreiben – deren Inhalt und Reihenfolge und deren Bezüge zueinander und zu anderen Texten der Literaturgeschichte ich regelmäßig hinter der orangefarbenen Tür ablege, so wie ich gerade mit diesem hier unterwegs bin, um ihn dort in meiner ganz persönlichen Wunderkammer an einer besonderen Stelle abzulegen und nie wieder zu vergessen.

