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♫ Noli turbare barbitos meos ♫
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Ich betrete den Korridor, um die Haustür zu öffnen: Die Zeugen Jehovas wollen mich mal wieder missionieren, das habe ich schon durchs Fenster gesehen. Beim letzten Mal habe ich ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Wie kann man nur so einfältig sein und das mit den 144000, die am Ende das Paradies erlangen, wörtlich nehmen?
Dauernd wollen mir Leute an der Haustür was verkaufen, und ich schick sie alle zum Teufel. Die beiden Frauen mit Wachturm-Heft und Bibel allerdings taten mir im Nachhinein irgendwie leid. Diesmal will ich’s wiedergutmachen: Ich betrachte mich schließlich als zivilisierten Menschen, und immerhin glauben die Zeugen Jehovas an das, was sie einem da erzählen – anders vermutlich als die Staubsaugervertreter, Tiefkühlkostanbieter, Handyvertragsverkäufer und Drückerkolonnen für Zeitschriftenabos, die ständig bei mir klingeln.
Ich muss die Zeugen ja nicht gerade hereinbitten, doch kann ich ihnen zumindest freundlich klarmachen, dass ich durchaus begrüße, wie sie sich für ihren Glauben und ihre Werte einsetzen, es allerdings noch besser fände, wenn sie nicht nur dem folgten, was ihnen vorgebetet wird, sondern auch mal ihre eigene gottgegebene Vernunft einsetzen würden. Mein Glaube – werde ich sagen, um ihnen ein Beispiel zu sein – stehe nicht mit dem Verstand im Widerspruch, sondern ergänze ihn aufs Beste. Und damit werde ich sie höflich entlassen: als jemand, der offenbar weiß, was er glaubt, und glaubt, was er weiß. Als wer, der in sich ruht und seine Wahrheit gefunden hat. Ja, so mache ich es.
Ich öffne die Tür. Es sind die beiden Frauen vom letzten Mal. Eine hält den Wachturm wie einen Schutzschild vor ihren Bauch.
»Lasst mich in Ruhe, zur Hölle!«, fauche ich und schlage die Tür zu.
Was ist nur in mich gefahren? Wütend über mich selbst stapfe ich zurück ins Wohnzimmer. Der Geist ist willig, denke ich, aber spart sich offenbar auch gern mal die Mühe.

