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Das Titelbild zeigt verschlungene schwarze Kabel mit einem USB-Stecker am rechten Rand auf hellem Untergrund.

♫ Infi­nity Shuffle ♫


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Ich betrete den Kor­ri­dor und notiere es auch gleich in mein Tage­buch: »Ich betrete den Kor­ri­dor«. Seit ich dafür ein Touch­pad benutze statt Notiz­büch­lein und Stift, kann ich noch viel direk­ter und zeit­na­her fest­hal­ten, was ich tue, erlebe, wie ich mei­nen Tag ver­bringe – in Real­time sozu­sa­gen. Auch kann ich alles Wich­tige gleich als Tweet wei­ter­lei­ten: Vor dem Schla­fen­ge­hen kann ich dann noch ein­mal in mei­nem Twit­ter-Account mei­nen Tages­ab­lauf nach­ver­fol­gen, in kleine Frag­mente auf­ge­teilt.

Was wollte ich hier im Kor­ri­dor? Oh, stimmt, ich bin auf der Suche nach dem Lade­ka­bel für das Touch­pad. Hier steht es ja auch: »Ich habe das Lade­ka­bel fürs Touch­pad ver­legt. Viel­leicht liegt es in der Küche.« In der Küche kann ich es nir­gendwo ent­de­cken. »Doch in der Küche kann ich es nir­gendwo …« Aber jetzt gibt das Touch­pad einen selt­sa­men elek­tro­ni­schen Ton von sich, abfal­lend, wie ein ent­täusch­tes »Oohch«. Das würde ich gerne notie­ren und in die­sem Fall auch gleich twit­tern, denn ich höre es zum ers­ten Mal, und das muss natür­lich doku­men­tiert wer­den, nur nimmt das Ding jetzt auf der vir­tu­el­len Tas­ta­tur keine Ein­ga­ben mehr ein, son­dern spei­chert als letzte Tat not­fall­mä­ßig den Text ab und schal­tet sich aus.

Was jetzt?! Wie soll ich das jetzt mit­schrei­ben? In der Küche steht die Rolle mit Küchen­pa­pier, und in einer Schub­lade finde ich neben den Tee­lich­ten einen Kugel­schrei­ber. Das muss alles fest­ge­hal­ten wer­den! Doch der Kugel­schrei­ber schreibt nicht auf dem Küchen­pa­pier. Ich lecke daran, schüttle ihn, das ganze Pro­gramm, aber er will ein­fach nicht. Auch das alles droht ver­lo­ren­zu­ge­hen, weil ich es nicht auf­schrei­ben kann. Mein Blick fällt auf das Schnei­de­brett. Könnte ich mit dem Mes­ser etwas hin­ein­rit­zen? Wenigs­tens Stich­worte? Es ist schon wie­der so viel pas­siert. Küchen­pa­pier bereit­stel­len, Kugel­schrei­ber lecken, Schnei­de­brett in Betracht zie­hen … Wie soll ich mir das alles mer­ken? Und dazu noch der Ver­such, das alles zu memo­rie­ren! Ich muss das Lade­ka­bel fin­den, soviel ist klar. All meine Gedan­ken dazu, die Auf­re­gung, meine Aktio­nen – gerade jetzt, wo es end­lich mal rich­tig dra­ma­tisch wird und plötz­lich krass was abgeht in mei­nem Leben, kann ich es nicht auf­schrei­ben, geschweige denn twit­tern!

Das Lade­ka­bel ent­de­cke ich schließ­lich, als ich im Schlaf­zim­mer nach Stift und Papier suche, neben dem Nacht­tisch in der Wand­buchse. Mit schon leicht zit­tern­den Fin­gern schließe ich es an, und das Touch­pad erwacht wie­der zum Leben.

Ich tippe, so schnell ich kann, um mein Leben wie­der ein­zu­ho­len.