Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: Satire

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Sur­round Your Self With What You Love

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Ich betrete den Kor­ri­dor, und obwohl ich mich wirk­lich gern von ihm begeis­tern ließe: Er reißt mich nicht ger­ade vom Hock­er. So geht es mir fast immer. Warum wer­den Kor­ri­dore innenar­chitek­tonisch nur immer so nach­läs­sig und lieb­los behan­delt? Dabei haben sie weit mehr Poten­zial, als nur für Garder­obe, Schuh­schrank und Schlüs­sel­brett herzuhal­ten – oder in Büro­ge­bäu­den den Wasser­spender und ein paar ger­ahmte Ausze­ich­nun­gen oder Natur­fo­tos zu beherber­gen!

Ich hat­te gehofft, mit Kor­ri­dore – vom Schat­ten­da­sein zum echt­en Glanzpunkt und dem Nach­fol­ge­band Kor­ri­dor-Pow­er hätte ich diesen Räum­lichkeit­en, denen der Sta­tus, ein voll­w­er­tiges Zim­mer zu sein, lei­der »durchgängig« ver­weigert wird, zu mehr Aufmerk­samkeit ver­helfen kön­nen. Doch weit gefehlt. Gehen Sie mal in ein Amt, in eine Schule, in eine Arzt­prax­is, in ein Kranken­haus – oder sehen Sie sich ein­fach nur Ihren eige­nen Woh­nungs­flur an. Ein Schmutzfänger. Eine Abstel­lka­m­mer. Ein notwendi­ges Übel auf dem Weg von Zim­mer A zu Zim­mer B. Bloßer Stau­raum statt großar­tiger Wow!-Raum. Fühlen Sie sich hier willkom­menge­heißen, inspiri­ert, ener­getisiert und run­dum wohl? Wohl kaum.

Das soll anders wer­den. Man hat mich als Kor­ri­dor-Experten gebeten, für ein Blog über Kor­ri­dore meine drei wichtig­sten und effek­tivsten Tipps kurz zusam­men­z­u­fassen. Das will ich hier­mit tun.

 

 

  1. Geben Sie Ihrem Kor­ri­dor einen beson­deren Zweck – und nicht nur den, von einem Raum zu einem anderen zu gelan­gen. Ich habe Kor­ri­dore erfol­gre­ich umgestal­tet und erweit­ert zu Begeg­nungsstät­ten, zu Kreativko­r­ri­doren, zu kleinen Bib­lio­theken, zu Spield­ie­len, ja selb­st zu Med­i­ta­tions- und Musen­fluren.
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  3. Ver­lei­hen Sie Ihrem Kor­ri­dor eigene Per­sön­lichkeit: Was macht ihn zu einem beson­deren Kor­ri­dor, der ihn von all den aber­tausend anderen Kor­ri­doren der Stadt unter­schei­det? Stat­ten Sie ihn mit indi­vidu­ellen Far­ben, Acces­soires, Kunst­werken und Erin­nerungsstück­en aus, mit ein­er eige­nen Akustik, Beschilderung, Beleuch­tung (z.  B. Spiegel, die Son­nen­licht here­in­holen!) …
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  5. Beleben Sie Ihren Kor­ri­dor: Pla­nen Sie attrak­tive Aktiv­itäten darin – nicht nur ungeliebte Notwendigkeit­en wie vielle­icht das Schuhep­utzen. Unternehmen Sie etwas in (und mit) Ihrem Kor­ri­dor, auf das Sie sich freuen, das Ihnen Vergnü­gen bere­it­et und Ihre Leben­squal­ität anhebt. Erfind­en Sie Ihr per­sön­lich­es täglich­es Kor­ri­dor-Rit­u­al. Denken Sie an Ihren Kor­ri­dor als einen Ort, der Ihnen ans Herz gewach­sen ist und mit dem sie schöne Erin­nerun­gen verknüpfen.

 

Das mod­erne Leben der Infor­ma­tions- und Echtzeit­epoche, möchte ich noch abschließend hinzufü­gen, wird immer mehr von Verän­derun­gen, Umbrüchen, vom inneren und äußeren Wan­del bes­timmt. Wer sich in seinem Kor­ri­dor wohlfühlt, fre­un­det sich vielle­icht auch schneller mit diesen Über­gangsphasen an, und es fällt ihm oder ihr leichter, in seinem Leben neue Türen zu öff­nen.

 

(Das Kor­ri­do­ri­um dankt für die wertvollen Tipps. Und wen das neuste Buch der Kor­ri­dor-Kapaz­ität und des »selb­ster­nan­nten KorriDoktor[s]« (Haus&Hof, Aus­gabe April 2011) mit dem Titel Frisches Chi im Kor­ri­dor: Feng Shui für die Energiebahn Ihrer Woh­nung inter­essiert: Vorbestel­lun­gen wer­den ab kom­mender Woche ent­ge­gengenom­men.)

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Bell Trance

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»Ich betrete den Kor­ri­dor« ist eine Trance­formel aus Haiti, die sich ger­ade schnee­bal­lar­tig im Inter­net ver­bre­it­et. Tre­f­fend­er über­set­zt lautete sie »Ich ger­ate in den Schlund« (gemeint ist der Schlund von Papa Leg­ba, dem »Torhüter zur Geis­ter­welt«), doch auch die ständi­ge und mantra­hafte Wieder­hol­ung des Satzes »Ich betrete den Kor­ri­dor« kann eine Trance her­vor­rufen und stellt für sug­ges­tion­san­fäl­lige Per­so­n­en auch unseres Kul­turkreis­es eine nicht zu unter­schätzende Gefahr dar.

Ein Risiko für Sie beste­ht, wenn Sie eine oder mehr der fünf fol­gen­den Fra­gen mit Ja beant­worten kön­nen:

 

1)   Suchen Sie im Inter­net gezielt nach Geschicht­en und Tex­ten, die mit dem Satz »Ich betrete den Kor­ri­dor« begin­nen?

2)   Lesen Sie diese Texte sich oder anderen laut vor?

3)   Rez­i­tieren Sie sie gar als Singsang (»Chant­i­ng«)?

4)   Kommt Ihnen beim Anblick eines Notaus­gangschilds sofort der Satz »Ich betrete den Kor­ri­dor« in den Sinn?

5)   Begin­nt Ihr ganzes Denken nur noch um diese Beschwörungs­formel zu kreisen?

 

Meist genügt es in solchen Fällen, sich sofort auf einen anderen Satz zu konzen­tri­eren, beispiel­sweise »Ich bin mir mein­er Umwelt voll bewusst und agiere ratio­nal und im Vollbe­sitz mein­er geisti­gen Kräfte«.

Soll­ten Sie bere­its drei, vier oder sog­ar alle fünf der obi­gen Fra­gen mit Ja beant­worten, so suchen Sie bitte umge­hend eine unser­er Beratungsstellen auf.