Korridorium

1x täglich Kurzprosa mit Soundtrack vom 11/11/11 bis 12/12/12

Tag: FAQ

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Das Titelbild zeigt ein rundes, kolosseumartiges Labyrinth mit farbigen Pfeilen, die in verschiedene Richtungen zeigen, jeder mit einem Buchstaben in einem farbigen Quadrat, mit einem Buch neben dem Eingang.

♫ The Trailblazer’s Red-Letter Day ♫


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»Ich betrete den Korridor« können Sie heute als Besucher des Korridoriums mit Fug und Recht von sich behaupten: Diesmal kommen freundliche Hostessen auf Sie zu, um Sie zu einer der vielen Türen zu geleiten, hinter denen Sie weitere Korridore erwarten – und weitere Türen, aber die müssen Sie dann schon selbst aufstoßen.

Mit Ihnen ist ein weiterer Besucher hereingekommen. Er trägt einen Anzug, hält eine Aktentasche in der Hand und wirkt etwas verwirrt. »Ich hab keine Ahnung, was ich hier soll!«, meint er zu Ihnen. »Was noch alles?« steht auf einem Banner, unter dem an drei Stehtischen die Hostessen warten. Schon kümmert sich eine von ihnen um den Mann: »Ja, man kann sich hier auch gut verirren. Wenn Sie gezielt vorgehen möchten und nur wenig Zeit mitbringen, sollten Sie durch diese schmale Tür hier vorne weitergehen.« Sie trägt die Aufschrift »Vignette«, stellen Sie fest. »Oder hier« – die freundliche junge Dame macht den Gast auf eine fast schon winzige Tür mit der Aufschrift »Fraktum« aufmerksam – »für die ganz kurze Aufmerk­samkeits­spanne: Manches ist nicht länger als ein Tweet, kommt also mit 140 Zeichen aus«, fährt sie fort.

»Mich interessieren Aufstellungen«, sagt der Mann mit der Aktentasche und rückt sich die Brille gerade.

»Dann ist möglicherweise dies hier die richtige Tür für Sie.« Der Mann betrachtet stirnrunzelnd die Aufschrift »Listen«. Sie scheint ihm zuzusagen, denn er zuckt kurz die Schultern, nickt der Dame kurz dankend zu und greift dann entschlossen zur Klinke.

Inzwischen ist eine der anderen Hostessen auf Sie aufmerksam geworden. »Was darf es für Sie sein?«, fragt sie lächelnd.

»Gibt’s hier auch Geschichten mit Handlung und Figuren, also so richtige Kurzgeschichten?«

»Oh ja«, antwortet die Hostess und zeigt zu einer Glastür mit der Aufschrift »Story« und den dreien dahinter, »klassisch«, »Fantasy« und »SciFi«.

»Was ist mit klassischer Fantasy?«, fragen Sie stirnrunzelnd.

»Oh ja, das könnte man falsch verstehen, richtig«, meint die junge Dame. »Alle Kurzgeschichten ohne Magie und Futuristisches, ohne Brimborium und Firlefanz sozusagen – dafür steht ›klassisch‹.«

Sie sagt noch etwas dazu, dass es nicht leicht gewesen sei, die treffenden Schlagwörter zu finden, aber Sie lassen sich ablenken: Eine Besucherin, die eigenartigerweise einen geöffneten Regenschirm mit dem bunten Aufdruck »(sich) regen bringt segen« trägt, fragt eine der Hostessen nach »spirituellen Texten«. Sie wird von ihr zu den Türen »Nous« und »Kōan« verwiesen – hinter »Nous« stecke alles, was mit Bewusstsein zu tun hat, und »Kōan« stehe im weitesten Sinne für östliche Weisheiten. »Und wie steht es mit, äh, Liebesgeschichten«, fragt die Frau noch leise, als sei es ihr ein wenig peinlich. Auch dafür gibt es eine Tür weiter hinten im Korridor. Sie trägt, wenig überraschend, die Aufschrift »Romanze«.

Bevor Sie sich wieder Ihrer Hostess zuwenden können, rollt auf einem Skateboard ein Junge in einem Hoodie herein. Er wirft unter seiner Kapuze einen abschätzigen Blick in den Korridor. Schon ist eine Hostess bei ihm. »Cory?«, fragt er. Die Hostess schüttelt lächelnd den Kopf: »Aber die Frage klärt sich womöglich hinter dieser Tür.« Sie zeigt auf eine Tür mit der Aufschrift »Cory?« und fügt dann mit Fingerzeig auf die Tür daneben, »Meta«, an: »Da könnten sich weitere Hinweise auftun. Jedenfalls finden sich da alle Erklärungen über das Korridorium selbst.«

Das bringt Sie auf eine Idee. Sie fragen die junge Dame, die sich hilfreich zu Ihnen gesellt hat, nach Storys über Parallelwelten – davon soll im Korridorium immer wieder die Rede sein.

»Oh ja«, antwortet Ihre Hostess lächelnd, »auch dafür gibt es eine Tür. Folgen Sie mir bitte.« Die fragliche Tür mit der Aufschrift »PluriDim« befindet sich am Kopfende des Korridors. »Das steht, hat man mir gesagt, für ›Pluridimensionales‹, also mehrdimensionale Perspektiven.«

Interessiert lesen Sie die Aufschrift auf der Tür seitlich davon: »Paraphernalia«?

»Oh ja«, die junge Dame nickt, »da ist alles untergebracht, was sich allem anderen nicht zuordnen ließ, selbst Kafkaeskem und Surrealistischem nicht.« Sie weist auf die Tür den »Paraphernalia« gleich gegenüber. »Kafka«, sagt sie, »ist einfach ›K.‹ – und wurde hier aus Platzgründen mit dem Surrealismus zusammengelegt.« Auf der Tür steht »K. / Dada«.

›Tu ich mir wohl besser nicht an‹, denken Sie, verschleiern Ihre Gedanken allerdings mit einem verbindlichen Lächeln. »Falls ich aber nun speziell alles suche, was mit Labyrinthen und dem Minotaurus zu tun hat?«

»Oh ja«, meint die Hostess eifrig, »hätte ich mir eigentlich gleich denken können. Ich habe an den Hörnern natürlich sofort gesehen, welch hohen Besuch wir hier heute haben.«

Sie schnauben ein wenig durch die Nüstern, weil man so was in der Art meist von Ihnen erwartet. Obwohl es eigentlich freundlich wirken sollte, tritt die Hostess vorsichtshalber einen Schritt zurück.

»Hier«, sagt die junge Dame ein wenig eingeschüchtert, »das wäre dann die Tür Ihrer Wahl.« Sie trägt die Aufschrift »Mythos«.

»Das kann aber auch Lüge heißen, wie in ›Ach, das ist doch bloß ein Mythos!‹ …«, merken Sie kritisch an.

»Oh, ja«, sagt die Hostess und schluckt, »aber das ist hier natürlich nicht in diesem Sinne gebraucht.«

»Na, das will ich doch gemeint haben!«, erwidern Sie und öffnen die Tür.

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Das Titelbild zeigt eine in einen Kapuzenumhang gehüllte, gesichtslose Gestalt an einem hölzernen Tisch in einem fensterlosen Raum, die auf Papier schreibt, umgeben von verstreuten Blättern und einer Tintenflasche, während über der Gestalt mehrere Fragezeichen schweben.
An der Wand ein gerahmtes Bild eines als Esel verkleideten Mannes inmitten einer Eselherde.

♫ Explaining Donkey Heaven ♫


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»Ich betrete den Korridor«: Fangen wirklich alle 398 Blogeinträge mit diesem Satz an?

Ja. Sozusagen. Wer Abweichungen findet, darf sie sich einrahmen.

Warum wird das Blog am 21. Dezember 2012 gelöscht? Hat das etwas mit dem Ende des Maya-Kalenders zu tun?

Es gibt kein Ende des Maya-Kalenders. Die Zählung des sogenannten Long Counts beginnt am Ende einfach wieder von vorn. Ob das auch für das Ende der Welt gilt, bleibt offen.

Aber könnte das Blog in seiner Gesamtheit von 398 Einträgen am Ende nicht einfach als Archiv bestehen bleiben?

Eines der Themen, die im Blog behandelt werden, ist die Vergänglichkeit, und da scheint eine endgültige Löschung nur konsequent.

Ist der Autor oder die Autorin jemand Bekanntes, oder warum wird so ein Geheimnis aus der Identität von »Cory d’Or« gemacht?

Identität ist ein weiteres der Themen, die hier beleuchtet werden.

Diese Heimlichtuerei ist doch ein Werbegag, oder?

Sie macht u. a. eine der Fortsetzungsgeschichten im Blog möglich, die mit Text Nr. 51 beginnt.

Ist das eigentlich Literatur, was du da schreibst? Und wenn ja, wie würdest du sie nennen?

Mein Freund Norbu hat sie mal »fraktale Literatur« genannt – ich nehme an, damit meint er eine Collage von Texten, die sich assoziativ und thematisch aufeinander beziehen, eine gewisse Selbstähnlichkeit auf der Themenebene aufweisen und in ihrer Dimensionalität »gebrochen« sind, indem sie Widersprüche, Alternativversionen und Meta-Perspektiven mit einschließen. Den Mix verschiedener Genres könnte man vielleicht auch postmodern oder eklektizistisch nennen – wobei ich versuche, nicht im Verwirrspiel mit Versatzstücken steckenzubleiben. Und mit der Art der Veröffentlichung handelt es sich natürlich auch um Netzliteratur.

Hm. Die Fantasy-Sachen find ich ganz gut, aber mit den SciFi-Storys kann ich wenig anfangen.

Die Kategorien und Tags für die einzelnen Texte unter dem Menüpunkt »Was noch alles?« sollen meinen Leserinnen und Lesern eine mehr oder minder gezielte Auswahl unter den verschiedenen Blogeinträgen ermöglichen. Vielleicht hilft auch mein Twitter-Account: Hier gibt’s zu jedem Text einen kleinen Teaser-Tweet mit Link – falls ich Neugier und Interesse wecken konnte: einfach klicken und den entsprechenden Korridor betreten.

Apropos »Was noch alles?«: Was bedeuten Tags wie »K.«, »Nous«, »PluriDim« …?

Stimmt, das ist vielleicht ein wenig kryptisch geraten. »K.« steht für die gleichnamige Figur bei Kafka und damit für, äh, kafkaeske Situationen. »Nous« ist ein griechisches Wort, mit dem ich die geistige Dimension des Menschen, also die – gleicher Wortstamm – Noosphäre bezeichnen möchte. Alles, was sich auf Bewusstsein, Übersinnliches und Metaphysisches bezieht, bekommt das Label »Nous«. »PluriDim« wiederum steht als Abkürzung für eine pluridimensionale, vieldimensionale Perspektive aufs Sein und verweist auf Parallelwelten und Multiversen …

Die Geschichten sind manchmal echt putzig, aber oft einfach viel zu lang. Geht es nicht auch kürzer?

Mir ist bewusst, dass die Aufmerksamkeitsspanne für Lektüre im Web eher gegen die Länge von Tweets hin tendiert. Ich möchte mir allerdings nicht nehmen lassen, auch mal tiefschürfend zu werden. Das fördert Schätze zutage, die an der Oberfläche nicht zu heben sind …

Warum stehen die Info-URLs drunter, statt dass sie gleich im Text verlinkt sind?

Das entspricht meinem persönlichen Leseverhalten: Zuerst zuendelesen, dann erst offene Fragen und Unklarheiten nachrecherchieren. (Statt mich bereits mittendrin ablenken zu lassen und von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen.) Genau dazu sollen die Links ein Angebot sein.

Ich bin Deutschlehrerin und würde einen Ihrer Texte gerne im Unterricht verwenden.

Kontaktieren Sie mich unter Cory@Korridorium.com – ich setze mich dann mit Ihnen in Verbindung.

Ich bin Buchhändler und möchte Sie gerne für eine Lesung Ihrer Texte gewinnen.

Da muss ich Sie leider enttäuschen. Seit Text 51 werde ich von der Polizei gesucht und muss mich versteckt halten.

Wird auch die FAQ eine deiner notorischen Dada-Pointen haben?

Aber selbstverständlich. Diese hier nämlich.

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An Anthem for Corridors

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