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Codex Gigas

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Ich betrete den Kor­ri­dor, wenn die Herr­schaf­ten in der Biblio­thek ihren nach­mit­täg­li­chen Tee ein­neh­men, um heim­lich das Zim­mer des Sekre­tärs auf­zu­su­chen. Unter sei­nem Schreib­tisch fin­den sich näm­lich fast immer ein paar kärg­li­che Reste, die ich auf­sam­meln kann.

Ich bin der Küchen­junge eines der größ­ten Dich­ter unse­rer Zeit. Nie würde Er sich her­ab­las­sen, mir etwas davon vor­zu­le­sen, was Er täg­lich Bedeut­sa­mes zu Papier bringt.

All­abend­lich schüt­telt Er, bevor Er sein Stu­dier­zim­mer ver­lässt, die von ihm eng beschrie­be­nen Stöße und ver­setzt ihnen Schläge mit sei­nem klei­nen Tep­pich­klop­fer. Er tut dies so geschickt, dass aller Kitsch und alle Kli­schees, dass alle Bana­li­tä­ten, unnö­ti­gen Wie­der­ho­lun­gen, Manie­ris­men und ver­klau­su­lier­ten Gedan­ken aus sei­nem Tages­werk her­aus­fal­len wie Staub aus einer Boden­matte. Die­sen Abfall kehrt spä­ter sein Sekre­tär zu einem Hau­fen zusam­men, aber statt ihn in den Müll zu wer­fen, ver­fer­tigt er dar­aus heim­lich, Satz für Satz, einen Roman. Wofür er keine Ver­wen­dung hat, das lässt er acht­los unter den Tisch fal­len. Diese spär­li­chen Über­bleib­sel hole ich mir unbe­merkt aus sei­nem Zim­mer und setze sie in mei­ner karg bemes­se­nen Frei­zeit zu klei­nen Minia­tu­ren zusam­men.

Ges­tern hat mich mein Herr und Meis­ter, der Poet, dabei erwischt. »Aha, was haben wir denn da?«, fragte Er ver­ächt­lich.

»Oh, es ist nichts, Herr, nichts.«

Trotz­dem zückte Er gleich sei­nen Tep­pich­klop­fer, nahm mir den Blät­ter­sta­pel aus den Hän­den und bear­bei­tete ihn hohn­la­chend. Zu Sei­nem Erstau­nen jedoch fiel aus mei­nen klei­nen Geschich­ten nur eine ein­zige Skizze her­aus. Diese hier.