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Mir­ror­s­cape

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Ich betrete den Kor­ri­dor, eine schul­ter­hohe Röhre mit dem Quer­schnitt eines regel­mä­ßi­gen – ich zähle es ab – Sie­ben­ecks. Die Wan­dung ist schwarz, glatt und kalt, und vor mir schließt eine helle Flä­che den Kor­ri­dor ab. Eine Sack­gasse?

Ich weiß nicht, wer mich über­fal­len und gefan­gen hat. Es ging alles blitz­schnell, und ich ver­lor das Bewusst­sein. Mein Schwert, den Dolch und den Leder­schlauch mit Was­ser hat­ten sie mir abge­nom­men, und ich erwachte in einer Kam­mer mit Wän­den, Boden und Decke wie aus schwar­zem Metall. Ein­zi­ger Aus­gang: die sie­ben­eckige Röhre.

Wer immer die­ses Gefäng­nis erbaut hat: Sie ver­wen­den Mate­ria­lien, wie ich sie noch nie gese­hen habe. Dies ist offen­bar kein Volk, des­sen Künste sich dar­auf beschrän­ken, aus Holz­stäm­men Ein­bäume zu fer­ti­gen und Stroh­hüt­ten zu bauen. Alles hier ist streng geo­me­trisch, ohne die geringste Unre­gel­mä­ßig­keit. Was haben sie mit mir vor? Wie passe ich in diese Welt?

Die Flä­che am Ende des Kor­ri­dors leuch­tet und strahlt ein schwa­ches, kal­tes Licht aus, das meine Hände grün­lich aus­se­hen lässt. Ich glaube, ein lei­ses, bestän­di­ges Knar­ren zu hören, wie von einem rie­si­gen Baum, der sich im Wind wiegt. Als ich die helle Flä­che vor­sich­tig berühre, bie­tet sie mir kei­nen Wider­stand. Meine Fin­ger glei­ten hin­ein, aber ich ziehe sie mit einem Schmerz­laut wie­der hin­aus, da es heiß in mei­nen Fin­gern brennt. Doch die Hitze lässt schnell nach. Bie­tet sich mir hier ein Aus­weg?

Ich halte die Luft an und ste­cke mein Gesicht in die leuch­tende Flä­che. Es brennt, als hätte ich mei­nen Kopf in eine Flam­men­wand gesteckt, und ich ziehe ihn gleich wie­der zurück. Ich habe eine Land­schaft und einen Him­mel gese­hen, einen selt­sa­men, tür­ki­sen Him­mel – immer noch bes­ser als die­ses schwarze, kalte Gefäng­nis. Ich ziehe den Kopf ein und mache einen schnel­len Schritt durch das sie­ben­eckige Por­tal. Die Hitze dringt durch meine Haut in mei­nen Kör­per, aber ver­fliegt auch sofort wie­der.

Die Sonne steht in dem cyan­far­be­nen Him­mel am Zenit. Ich stehe auf einer Ebene, die sich end­los weit in alle Rich­tun­gen erstreckt, von blass­ro­tem, flaum­ar­ti­gem Gras bewach­sen. Der Hori­zont schim­mert. Hin­ter mir: ein sie­ben­ecki­ger Spie­gel, der mit einer Ecke im Boden steckt. Aus die­ser Spie­gel­flä­che bin ich offen­bar gerade hin­aus­ge­tre­ten. Das Selt­same aber ist: Sie spie­gelt mich nicht.

Bevor ich sie näher unter­su­chen kann, streift mich ein Schat­ten. Es fällt etwas Gro­ßes von oben herab, ein lau­tes Knir­schen und Bers­ten um mich her, instink­tiv ducke ich mich.

Als ich auf­bli­cke, bin ich von einer schwar­zen, dop­pelt manns­ho­hen, sie­ben­ecki­gen Mauer umge­ben – und wie­der gefan­gen, zusam­men mit der sie­ben­ecki­gen Spie­gel­flä­che. Ich spüre einen Wind­hauch an den Bei­nen, und erstaunt beob­achte ich, wie der blass­rote Flaum um mich herum bin­nen eines Wim­pern­schlags welkt und zu Staub wird. Der Boden dar­un­ter ist unre­gel­mä­ßig und rin­den­ar­tig. Er wirkt wie die Ober­flä­che eines gigan­ti­schen Astes – in den läng­li­chen, schlan­gen­för­mig ver­lau­fen­den Ver­tie­fun­gen die­ser Rie­sen­borke könnte ich mir glatt einen Fuß bre­chen. Der Spie­gel steckt fest im Holz, und auch die Mauer hat sich tief und unver­rück­bar in die Rin­den­wülste gebohrt. An einer Stelle hin­ter dem Spie­gel streckt der höl­zerne Boden an der Mauer wie aus Pro­test einige Späne hoch. Ich reiße einen davon ab. Keine Waffe zwar, aber etwas in der Hand zu haben, gibt mir das Gefühl, der Situa­tion nicht gänz­lich hilf­los aus­ge­lie­fert zu sein.

Ist dies ein frem­der Pla­net? Oder eine Ära weit in der Ver­gan­gen­heit oder der Zukunft?

Die Rück­seite des Spie­gels reflek­tiert weder mich noch das Stück Holz, nur die Mauer. Er scheint extrem dünn zu sein. Ich drü­cke den Span an die Kante, und er wird ohne Schwie­rig­kei­ten durch­trennt. Noch nie habe ich etwas der­ar­tig Schar­fes gese­hen. Ein Schat­ten, der über mich hin­weg­zuckt, lässt mich auf­bli­cken.

Es zischt, und unmit­tel­bar neben mir bohrt sich eine wei­tere Spie­gel­flä­che senk­recht in den Boden. Ich schlu­cke und trete – etwas zu spät, falls das Ding auf mich gezielt war – zur Seite. Es kam aus Rich­tung der Sonne. Mehr kann ich auch mit zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen nicht erken­nen.

Wie­der ein blitz­ar­ti­ger Schat­ten­wurf, wie­der zischt es, und jetzt steckt ein drit­ter Spie­gel ein paar Schritte ent­fernt in den Rin­den­wüls­ten. Die Geschosse sind so schnell, dass ein Aus­wei­chen unmög­lich ist. Und es kom­men mehr davon. Jedes Mal zucke ich zusam­men. Sie ver­tei­len sich unre­gel­mä­ßig und spie­geln den Unter­grund, die Mauer und den Him­mel – aber nicht mich und die ande­ren Spie­gel!

Aus den Augen­win­keln bemerke ich eine wei­tere Bewe­gung. Ich traue mei­nen Augen nicht: Aus einem der Spie­gel, der sich eher mit­tig in der Umfrie­dung befin­det, schwimmt jetzt ein Fisch her­aus. Er sieht aus wie ein Hai, ist viel­leicht zwei, drei Meter lang und schwebt etwa auf Höhe mei­nes Bauch­na­bels in der Luft.

Irgend­wie glaube ich nicht, dass es sich um eines der Wesen han­delt, die mich gefan­gen haben und Spie­gel auf mich wer­fen. Dies alles hier sieht mir nach einer Arena aus, in der ich als Gla­dia­tor gegen die­sen Hai antre­ten soll. Er peitscht jetzt mit sei­ner Schwanz­flosse und mus­tert offen­bar die Umge­bung. Ein silb­rig schim­mern­des Gerät ist um sei­nen Hals geschnallt. Das Wesen ent­deckt mich und öff­net sein zäh­ne­star­ren­des Maul. Mir stel­len sich die Nacken­haare auf. Dann zischen wei­tere Spie­gel aus dem Him­mel und boh­ren sich mit tro­cke­nen Tonks zwi­schen uns in den Unter­grund. Als es drei­ßig oder vier­zig sind, hört der Beschuss unver­mit­telt auf.

Die Arena steht jetzt vol­ler Spie­gel.

Nicht in ihnen reflek­tiert zu wer­den, erzeugt ein merk­wür­di­ges Gefühl bei mir – als sei ich gar nicht wirk­lich hier. Und nicht nur ich scheine nicht anwe­send zu sein, son­dern auch alle ande­ren Spie­gel. Denn kei­ner von ihnen zeigt die ande­ren – bis auf jeweils einen. Zum Nach­den­ken bleibt mir jedoch keine Zeit, denn jetzt schwebt der Hai aus einer nahen Spie­gel­flä­che her­aus, dreht sich mit einem Schlag sei­ner Schwanz­flosse in meine Rich­tung und spuckt etwas aus. Geis­tes­ge­gen­wär­tig ducke ich mich und springe hin­ter einen Spie­gel. Etwas sirrt an mir vor­bei. Ich stürze auf die unnach­gie­bige Rinde und prelle mir das Schien­bein.

Als ich auf­bli­cke, ist der Hai schon hin­ter mir her­ge­schwom­men. Ohne lang nach­zu­den­ken rolle ich mich durch den Spie­gel, vor dem ich liege – in der Hoff­nung, dass sie alle Por­tale dar­stel­len, die mich an einen ande­ren Ort brin­gen. Tat­säch­lich: Wie­der zieht mir bren­nende Hitze durch den Leib, und ich falle an einer ande­ren Stelle der Arena aus einem der Spie­gel, richte mich keu­chend auf, humple um den Spie­gel herum und springe von der ande­ren Seite hin­durch, als ich den Hai hin­ter mir her­kom­men sehe.

Es sind Por­tale! Von bei­den Sei­ten! Nur dumm, dass ich die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren habe und nicht mehr weiß, durch wel­ches die­ser Por­tale ich hier­her­ge­kom­men bin.

In eini­ger Ent­fer­nung sehe ich mei­nen Geg­ner kurz vor einem Spie­gel schwe­ben, bevor er in ihm ver­schwin­det, als werde er von einer senk­recht ste­hen­den Queck­sil­ber­pfütze ver­schluckt. Auch er spie­gelt sich nicht.

Eine Zeit­lang, traue ich mir zu, kann ich mit dem Hai Ver­steck spie­len. Aller­dings graust mir bei dem Gedan­ken, bei einem eili­gen Durch­gang durch einen der rah­men­lo­sen Spie­gel des­sen Flä­che nicht genau zu tref­fen. Ver­mut­lich würde es mir dann wie dem Holz­span erge­hen: Es könnte sein, dass ich dann einen Arm oder ein hal­bes Bein zurück­lasse – und noch unan­ge­neh­mer ist natür­lich die Vor­stel­lung, bei einem Spie­gel­sprung in mei­ner Hast eine Kopf­länge zu hoch zu gera­ten.

Habe ich eine Chance? Der Fisch ist bewaff­net – ich nicht. Er ist um eini­ges gewand­ter als ich und wird nicht durch den wel­li­gen Unter­grund behin­dert, der sich für Spurts nicht gerade eig­net. Könnte es mir gelin­gen, ihm auf den Rücken zu sprin­gen? Oder kann ich ent­kom­men, indem ich die Mauer erklet­tere? Doch die ist makel­los glatt.

Nur einen Wim­pern­schlag lang habe ich in mei­ner Auf­merk­sam­keit nach­ge­las­sen, da schwimmt der Hai aus einem nahen Spie­gel. Wie­der sirrt etwas aus sei­nem Maul. Ich ducke mich unter dem Geschoss weg und springe durch eine der Spie­gel­flä­chen. Ich renne, soweit sich das bei der Boden­be­schaf­fen­heit bewerk­stel­li­gen lässt, schlage einen Haken und und benutze ein wei­te­res Por­tal. Den Hai habe ich aus den Augen ver­lo­ren – genauso wie er hof­fent­lich auch mich.

Es ist ein unglei­ches Duell. »Was wollt ihr von mir?«, rufe ich wütend in den Him­mel – dahin, von wo die Mauer der Arena und all die Spie­gel auf die Ebene her­ab­fie­len. »Was habe ich euch getan?« Es macht mich wütend, dass sich die­je­ni­gen, die mich in diese Arena gesteckt haben, nicht zei­gen. Es gibt Hun­derte von klei­nen Öff­nun­gen unter­halb des Mau­er­rands: Sind das ihre Augen? Wei­den sie sich – irgendwo von ferne, viel­leicht ja sogar von einem ande­ren Pla­ne­ten aus – an dem Kampf?

Aber Zorn hilft mir nicht wei­ter. Ich ver­su­che, einen Über­blick über das Spie­gel­la­by­rinth zu gewin­nen. Nur sind es lei­der zu viele Spie­gel, als dass ich mir eine innere Land­karte von ihren Ver­bin­dun­gen unter­ein­an­der zeich­nen könnte. Ich erha­sche einen Blick auf den Fisch, der vor einem Spie­gel hin- und her­schwimmt, als würde er Maß neh­men.

Er wen­det sich einem ande­ren Spie­gel zu, so dass ich nur noch seine Schwanz­flosse sehe. Plötz­lich kommt eines sei­ner Geschosse aus einem Spie­gel geschos­sen, sirrt haar­scharf an mei­ner Hüfte vor­bei und kracht gegen die schwarze Metall­wan­dung. Ich hebe es auf. Der Hai ist sei­nem Geschoss gefolgt – ich springe durch den nächst­bes­ten Spie­gel, dann durch einen wei­te­ren.

Der Hai ist nir­gends mehr zu sehen. Selbst wenn er den Weg sei­ner Geschosse durch meh­rere Spie­gel hin­durch vor­her­se­hen kann: Er muss mich sehen, um auf mich schie­ßen zu kön­nen. Ich setze mich mit dem Rücken vor die Wand der Arena und unter­su­che den Pfeil. Es ist ein spitz zulau­fen­der Bol­zen, eine schlanke, sie­ben­eckige Pyra­mide aus einem leich­ten, fes­ten Metall, voll­kom­men schwarz.

Eine Bewe­gung in mei­nen Augen­win­keln lässt mich her­um­fah­ren: Der Hai schiebt sich aus einem nahen Spie­gel, und ich sitze für ihn wie auf dem Prä­sen­tier­tel­ler. Mit einem Angst­schrei schleu­dere ich den Bol­zen, den ich in der Hand habe, in seine Rich­tung und robbe weg. Sein Schuss ver­fehlt mich. Ich haste durch meh­rere Spie­gel, stehe plötz­lich eine Arm­länge von ihm ent­fernt, stol­pere zurück und gerate in Panik.

Schließ­lich bleibe ich ste­hen, wo ich gerade bin, um wie­der zu Atem zu kom­men. Ein schwar­zer Bol­zen durch­misst in eini­ger Ent­fer­nung die Stre­cke zwi­schen zwei Spie­geln. Ich ducke mich. Er bleibt einen Atem­zug lang ver­schwun­den und prallt dann mit vol­ler Wucht auf ein knorp­li­ges Rin­den­stück in mei­ner Nähe. Ich ziehe den Bol­zen her­aus und ver­schwinde vor den Augen des Fischs, der sei­nem Geschoss wie­der folgt, in einer Spie­gel­flä­che. Zer­schnei­det ihre Kante auch den Metall­pfeil des Hais? Ich presse ihn dage­gen. So scharf die Kante auch sein mag: Der Bol­zen bie­tet ihr Wider­stand. Ich warte.

Schweiß rinnt mir bei­ßend in die Augen, und ich spüre ein dump­fes Pochen in mei­nem Schien­bein, aber erst muss ich die­ses Fisch­we­sen aus­schal­ten, bevor ich an mich und meine Bles­su­ren den­ken kann.

Etwas Schwar­zes sirrt aus dem Spie­gel, neben des­sen Kante ich warte. Ich ver­folge den Weg des Pfeils nicht wei­ter, son­dern benutze den Bol­zen jetzt als Hebel. Der Spie­gel sitzt höl­lisch fest, zwei­mal glei­ten meine schweiß­feuch­ten Fin­ger ab und wären um ein Haar von der Spie­gel­flä­che abge­trennt wor­den – dann end­lich ruckt der Spie­gel aus dem Holz. Wie erwar­tet folgt der Hai sei­nem Geschoss. Seine Nase schiebt aus der umfal­len­den Spie­gel­flä­che, die jetzt wie erhofft sei­nen Kör­per in zwei Hälf­ten schnei­det. Die vor­dere schwebt über dem umge­fal­le­nen Spie­gel wei­ter­hin in der Luft. Der Hai quiekt, oder zumin­dest glaube ich ein Quie­ken zu hören, und die Bol­zen­schleu­der in sei­nem Inne­ren spuckt noch ein hal­bes Dut­zend Mal. Sein Hin­ter­teil dürfte vor dem Spie­gel geblie­ben sein, den er nur halb durch­schwim­men konnte.

Ich warte, bis meh­rere satte Tonks anzei­gen, dass seine Bol­zen ihre Flug­bahn been­det haben – es wäre eine böse Iro­nie des Schick­sals, jetzt noch von einem Quer­schlä­ger erwischt zu wer­den.

Innen ist der Hai mecha­nisch: kein leben­des Wesen, son­dern eine Maschine, eine Kampf­ma­schine. Ihre Hülle ent­hält neben der Bol­zen­ka­none ein rotes, zap­fen­för­mi­ges Etwas. Als ich es her­aus­ziehe, fällt alles andere zu Boden. Der feu­er­far­bene Metall­zap­fen hat die Länge mei­nes Unter­arms und schwebt wei­ter­hin in der Luft. Die­ses Ding hat ihn durch die Luft schwim­men las­sen! Ein fla­cher, schma­ler Ring ver­läuft um den Zap­fen. Ich drehe vor­sich­tig daran, und der Zap­fen sinkt ein Stück.

Schmat­zende Geräu­sche las­sen mich her­um­fah­ren. Die Spie­gel ver­schwin­den jetzt, einer nach dem ande­ren: Spiffzspiffzspiffz, und die Arena ist leer bis auf mich, die am Boden lie­gen­den Hälf­ten des Maschi­nen­hais, den roten Zap­fen und einen ein­zi­gen letz­ten Spie­gel.

Ich bli­cke hoch zu den Öff­nun­gen in der Mauer. Ver­mut­lich war­tet auf jen­seits des übrig­ge­blie­be­nen Spie­gels das Publi­kum, aber mir kön­nen Ruhm und Ehre oder nach unten wei­sende Dau­men (oder Flos­sen, wer weiß?) gestoh­len blei­ben. Irgendwo in die­ser Zeit und an die­sem Ort war­tete eine Auf­gabe auf mich, und sie hatte gewiss nichts mit die­sen per­ver­sen Wesen zu tun, die mich gefan­gen­ge­nom­men haben, um mich gegen ihren Kampf­fisch antre­ten zu las­sen.

Ich fühle keine Freude. So kenne ich es schon. Obwohl dem Tod mit knap­per Not ent­kom­men, bleibt zuerst ein­mal nur Leere zurück, viel­leicht weil ich zu aus­ge­laugt bin, um das neu­errun­gene Leben wirk­lich schät­zen zu kön­nen.

Ich fühle mich wund vom stän­di­gen feu­er­hei­ßen Spie­gel­durch­schrei­ten. Auch habe ich mir mein Schien­bein geprellt und irgend­wann mein lin­kes Hand­ge­lenk ver­staucht. Aber ich lebe und besitze noch alle Glied­ma­ßen. Tau­send Augen star­ren von der Are­naum­frie­dung zu mir herab – zumin­dest glaube ich das zu spü­ren – und erwar­ten, dass ich zum letz­ten Spie­gel humple und hin­durch­gehe. Doch da habe ich eine bes­sere Idee. Mit ein wenig Glück befin­den sich die Zuschauer des Kamp­fes wirk­lich weit ent­fernt von die­sem Ort und kön­nen hier nichts wei­ter aus­rich­ten.

Ich hänge mich bäuch­lings über den Zap­fen. Er trägt mich ohne Schwie­rig­kei­ten. Es ist nicht ganz ein­fach, den Steue­rungs­ring zu bewe­gen, aber es gelingt mir: Lang­sam lasse ich uns höher­stei­gen. Ich schlen­kere mit den Bei­nen und rucke so etwas unele­gant durch die Luft und über die Mauer hin­weg. Auf der ande­ren Seite lasse ich mich hin­un­ter sin­ken und lande auf dem blass­ro­ten Flaum. Nie­mand hält mich auf. Ich beginne, den schwe­ben­den roten Zap­fen vor mir her­schie­bend, in Rich­tung des Glit­zerns am Hori­zont zu wan­dern, das ich für das Meer halte.

Soll die Sie­ges­feier ohne mich statt­fin­den!