305/398
Qui e ora n_é ancora
Ich betrete den Korridor, und auf unerklärliche Weise fällt mit diesen Schritten alles Falsche, Verfehlte, Suboptimale von mir ab. Es ist, als würde ich mit einem bislang ungekannten siebten Sinn erspüren, dass ich hier auf genau dem richtigen Weg bin.
Es ist nur ein kurzer Gang, der mich von der Treppe an verrosteten Briefkästen und einer Pappkiste voller Werbemüll entlang zur Haustür führt, aber auf diesen wenigen Metern weiten sich mein Herz und mein Blick, und ich fühle ein angenehmes Prickeln auf der Haut. Mich erfüllt die langvermisste Zuversicht, vor ungewissen Herausforderungen zu stehen, wie sie besser nicht zu mir passen könnten.
Ich öffne die Tür. Straßenlärm schlägt mir entgegen. Von meinem Fahrrad hängt, am Zaun der Dauerbaustelle vorm Haus, nur noch das aufgebrochene Schloss. Ein tiefempfundenes »Fuck!« entfährt mir, und fast wäre mit einem Schlag mein gerade erst gewecktes Selbstvertrauen wieder perdu gewesen. Aber so leicht lasse ich mich nicht aus der Spur bringen – dazu ist das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, einfach zu kostbar.
Gut, sei’s drum, gehe ich eben den Abenteuern, die auf mich warten, zu Fuß entgegen. Außerdem habe ich ja noch meine Monatskarte.