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Tré í draumi
Ich betrete den Korridor, der mich von meinen Privatgemächern im E‑Gig-Par zu den Gewölben mit meiner kleinen Sammlung antiker Artefakte führt. Seit ich Hohepriesterin und Gattin des Nanna und damit Zirru und Dam unseres Mondgottes bin, finde ich nur noch selten die Zeit, hierherzukommen zu den Fundstücken aus unserer vieljährigen Geschichte, die mir die Kraft geben, meine Aufgaben zu erfüllen und den Göttern und dem Volk zu Diensten zu sein.
Mein Vater, der König von Babylonien, ließ viele der alten Bauten wiedererrichten und dabei in den Ruinen nach den alten Gründungssteinen suchen. Dabei fand sich in Sand und Erde vieles, das unsere Vorfahren überdauert hat. Diesen Hinterlassenschaften weihte ich dieses Gewölbe, das ich Temmenu nannte, denn es ist ein Heiliger Ort, an dem ich den Geist unserer Ahnen spüren kann. Hier, ein Teil einer Statue, die König Shulgi zeigt. Oder dieser Kudurru hier, ein Grenzstein, den eine Schlange ziert. Und eine Tontafel aus der Zeit, als in Larsa noch eigene Könige herrschten …
Seit vielen Jahren schon war mein Vater nicht mehr hier. Ein Traumgesicht brachte ihn dazu, die Stadt zu verlassen und in die Wüste zu ziehen. Ihm träumte von einem gewaltigen Baum, auf dessen Ästen ganze Ländereien Platz hatten – und dass er ihn fällen solle. Dieser Baum sei er, König Nabonaid, selbst, und auf den Ästen befinde sich sein Reich, erklärte ihm ein Traumdeuter, und die Weisheit des Traumes rate ihm, fortzugehen und sieben Jahre lang unter wilden Tieren zu leben.
Es wird Abend, und ich muss mich auf den Weg zur Blauen Kammer auf dem Zikkurat machen, das mein Vater auf den staubigen Ruinen des alten Etemennigur errichten ließ, damit dort oben die Hohepriesterin ihren Dienst wiederaufnehmen kann – ich, von den Wahrsagern des Hofes zur Gattin des Nanna erkoren, En-nigaldi-Nanna, Tochter des großen Nabonaid, den ein Traum fortführte aus der Stadt seine Ahnen.
Wirst du je zurückkehren? Ich vermisse dich, Vater. Deine Tochter ruft nach dir.