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♫ Computing the Numen ♫
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Ich betrete den Korridor, der sich geöffnet hat, nachdem Abdul und ich die großen hölzernen Räder ein Stück weitergedreht haben. Ich kann es immer noch nicht glauben. Nach so langer Zeit! Meine Ars magna ist begehbar geworden, und nun können alle sehen, wie groß, wie gewaltig, wie allmächtig Gott ist. Was bisher nur ein paar beschriftete Ringe aus Papier waren, hat dieser geniale Kopf, den ich in der Djamaa ez-Zitouna, der Ölbaummoschee, traf, aus Holz zimmern lassen. Nun gleicht meine Ars magna, wenn man hochsteigt in eines der Minarette und sie von dort aus betrachtet, einer riesigen umgestürzten Turmuhr, die fast den gesamten Innenhof ausfüllt, nur dass diese nicht die Zeit, sondern die Wahrheit anzeigt.
Die Wahrheit muss logisch sein, denn Gott – oder Allah, wie sie ihn hier nennen – verwickelt sich nicht wie wir Menschen in Widersprüche. Diese Seine Wahrheit kann sich uns auf wunderbare Weise zeigen. Wie sie sich einst vor meinen Augen auftat, als ich beschriftete Papierringe übereinanderschob und sich mir so die Ars magna offenbarte, so wird sie nun begreifbar in Abduls großem Mechanismus.
Wir haben die Vollständige Figur mit der Quadrierung und Triangulierung der vollkommenen Kreisform zur Grundlage genommen, und Abdul hat riesige, bewegliche Speichenräder dafür gefertigt. Jede Speiche trägt, in Latein und auf Arabisch, einen Begriff, und das Drehen der Räder verschiebt sie gegeneinander. Auf diesen Theologen zu stoßen, der auch ein begnadeter Konstrukteur ist, war ein großes Glück für mich. Jetzt kann ich die Tugenden Gottes buchstäblich körperlich durchschreiten und erfühlen: Seine Ewigkeit und Macht, Seine Weisheit und Seinen Willen, die ganze Herrlichkeit des Höchsten. Nun können wir, der junge Abdul und ich – ein alter Mann von acht Dezennien – Kammern bilden, wie ich es mir immer erträumt habe, Korridore aus Begriffen, die unwiderlegbare Aussagen treffen über Sein Wirken und Seine Existenz und allen Streit zwischen den Religionen obsolet werden lassen.
Die Moslems, die zusammenlaufen, um unser Werk zu betrachten, tuscheln miteinander. Der hölzerne Mechanismus, mit dem sich die letztgültige Wahrheit finden lässt, die begehbare Ars generalis ultima, scheint ihnen Furcht einzujagen und zu missfallen. Es strömen immer mehr von ihnen in den Hof, und ihre Stimmen werden lauter. Ich jedoch bin beseelt, und wenn mich Abdul nicht davon abhielte, würde ich sie alle hineinführen in die Letztgültige Allumfassende Kunst und ihnen zeigen, dass sie all ihre Fragen beantworten kann.
»Ist die Welt immerwährend?« Diese Frage haben Abdul und ich gewählt und die großen Holzräder entsprechend eingestellt: B für die Frage »ob?«, D für das Ewige – und für C, die mittlere Position, haben wir aus dem Katalog der Qualitäten die Güte gewählt. Und nun stehe ich inmitten der Antwort darauf, der allein möglichen und logischen Antwort. Wir sehen es an den Kammern und Korridoren, die sich bilden: Wäre Seine Schöpfung ewig, wäre in logischer Konsequenz auch das Gute ohne Ende – wäre aber das Gute ohne Ende, könnte es nicht das Böse geben, denn die Kammer C kann nur entweder das eine oder das andere versinnbildlichen, niemals jedoch beides, getreu Seiner untrüglichen Logik. Da es aber nun unleugbar das Böse gibt und wir es allerorten und zu jeder Zeit erleben und in uns spüren, ist dies ein Widerspruch, der uns offenbart, dass die Welt unmöglich ewig sein kann. Nur Gott ist ewig. Das würde ich ihnen, das würde ich der ganzen Welt gerne aus vollem Herzen zurufen und sie alle an der Hand hinführen, wenn mich nicht Abdul inständig um Geduld und Vorsicht bitten würde.
Dennoch: Mich erfüllt ein inneres Jubilieren. Es ist fast so, als sei die Vision, die ich vor über fünfzig Jahren hatte und die meinem Leben als Troubadour eine unerwartete Wendung gab, am Ende Wirklichkeit geworden: hölzerne, mechanische, handfeste, unwiderlegbare Wirklichkeit.

