23/398

♫ Smṛti ♫
23/398
Ich betrete den Korridor. Aber glauben Sie nicht, dass ich einfach nur hinein- und hindurchhusche. Nein. Ich nehme mir Zeit dafür. Anfangs achte ich darauf, erst einmal keine Worte zu lesen, auch nicht versehentlich, sondern starte den Soundtrack und lausche ihm mit halboffenen Lidern. Dann, wenn ich ein Gefühl für die Klänge entwickelt habe, jedoch ohne sie zu bewerten oder irgendwo einzuordnen, mit Anfängerbewusstsein sozusagen, wage ich einen ersten Blick auf den Text – auf die ersten Worte, den ersten Satz.
Ist es der, den ich erwarte? Ja. Der Anfang ist immer derselbe. Schön. Von der Begleitmusik getragen wage ich mich weiter in den Korridor. Zuversichtlich einerseits, aber auch ein wenig furchtsam, denn hinter jeder Biegung kann ein zuvor ungenannter Schrecken lauern.
Doch wie im Traum wird aller Unbill nur Einbildung sein. Langsam und mit Genuss taste ich mich forschend voran. Die meisten Korridore sind kurz, viel zu kurz. Manchmal allerdings setzen sie sich in meinem Inneren, vor meinem geistigen Auge, im Rhythmus der Begleitmusik und im Strom meiner Gedanken und Gefühle fort. Der erste Schritt ist immer gleich. Aber alle weiteren …
Der Soundtrack verklingt. Ich öffne die Augen. Und trete ins Leben.

